Comma Translation

Project part-funded by the European Union

Was würde ich nur ohne dich tun?

by Katie Myers. Translated by Julia Fee Dormann und Patrick Frantzen

Die Schule war aus und ich rannte nach Hause. Als ich um die Ecke kam, sah ich sein Auto vor dem Haus von Frau Borrowscale stehen. Das war nicht jeden Nachmittag so, meistens nur am Dienstag und Donnerstag, doch dieses mal auch an einem Freitag.

Ich würde sterben wenn meine Mutter die Tür in ihrem Negligé öffnen würde und ihr Hals ganz rot und gefleckt sein würde.

Letztens habe ich Tracy Kehoe mit nach Hause gebracht. Unsere Schule hatte eine Disco organisiert und der Friseur in der Fußgängerzone wollte ihre Afro-Frisur nicht schneiden. Ich hatte bis dahin noch nie jemandem die Haare geschnitten und so dauerte das Schneiden über eine Stunde. Ich schnitt und schnitt als sie mich fragte, warum meine Mutter immer noch im Bett sei. Das krause Haar lag überall auf dem Linoleum.

Als sie gegangen war kam meine Mutter in die Küche und öffnete einen Schachtel mit Keksen. Ihr Nachthemd war sehr kurz und sie hatte keinen Slip an.
Joes Mantel liegt im Wohnzimmer, flüsterte sie als sie ein Stück Küchenrolle abriss und damit ihre Oberschenkel abwischte. Sieh nach ob du irgendwas in den Taschen finden kannst.

Meine Mutter rollte die Küchenrolle auf und legte sie auf die Arbeitsplatte in der Küche. Los, geh schon und sie jetzt nach, drängte sie mich und legte ein paar Kekse auf einen Teller.

Als ich am Schlafzimmer vorbeiging, hörte ich ihn husten. Ich beeilte mich, falls er raus kommen sollte. Meine Mutter mag es nicht wenn er mich sieht.
Immer wenn ich im Flur war oder auf die Toilette wollte, sagte sie, ich solle mich ihm nicht präsentieren.

Das Wohnzimmer roch nach Raumerfrischer und war gereinigt worden. Joes Mantel war aus dunkelbraunem Schafsleder gemacht und lag über die Lehne des Sofas.
Ich nahm den Mantel leise hoch und mein Herz schlug sehr schnell. Meine Hand glitt in eine der Taschen, doch der Mantel fiel auf den Teppich.
Ich hörte meine Mutter im Flur, ihr Silberarmreif klingelte und der Teller bewegte sich auf der Ablage. Schnell kniete ich nieder um den Teppich wieder glatt zu streichen.

Die Schlafzimmertür ging zu und ich legte den Mantel wieder so über die Lehne, wie er vorher lag. Er roch genau so wie meine Mutter, nachdem er gegangen war und ich neben ihr auf der Matratze lag, nachdem ich die Fenster geöffnet hatte und wir das Spannbettlaken gewechselt hatte. Normalerweise lag sie auf dem Rücken und ich legte mich auf die Seite, dicht neben sie. Du bist der einzige Grund, weswegen ich das aushalte, sagte sie dann immer zu mir. Ich liebte das Gefühl der seidigen Matratze auf meiner Haut.

In der einen Tasche fand ich aber nur Kaugummi und Extra starken Pfefferminz, doch in der anderen waren 2 Tickets. Es waren weiße Karteikarten und in einem Kasten, oben am Rand, stand:Frau und Herr J. Hatchard. Ich las es mehrmals, steckte sie zurück und rannte dann nach oben in mein Zimmer um meinen Notizblock zu holen. Mit einem roten Stift schrieb ich: Die Kutsche kommt um 23:20 an. Treffpunkt: Adelphi Hotel, Mount Pleasant. Ich unterstrich extra 23:20 und Adelphi Hotel.

Als ich hörte das die Haustür zu ging und Joe weg fuhr, ging ich wieder nach unten zu meiner Mutter ins Schlafzimmer. Ich dachte sie würde sich freuen, als ich ihr den Notizzettel gab, doch sie starrte ihn nur an. Du hast Adelphi falsch geschrieben, sagte sie nur, stand auf, warf die Bettdecke auf den Boden und zog den Bettbezug ab. Ich fragte sie, ob ich das Fenster öffnen solle, aber sie antwortete nicht.

In dieser Nacht fand ich den Notizzettel im Mülleimer, die ersten drei Seiten waren mit Tee durchtränkt.

Ich muss ihn mit ihr zusammen sehen, sagte meine Mutter am nächsten Nachmittag zu mir, als ich ihr eine Tasse Tee brachte. Sie saß in ihrem Bett gegen ein Polsterkissen gelehnt.

Der Raum roch abgestanden und die Haut unter ihren Augen hing herab. Sie musste viel geweint und wenig geschlafen haben.

Sie nahm meine Hand und sagte: Was würde ich nur ohne dich tun?

Wir hatten ein Taxi zu 22 Uhr bestellt. Um 21 Uhr machte meine Mutter die Lichter und Kerzen aus. Ich saß auf der Ecke des Sofas, sie stand am Fenster um ihre Hose nicht zu verknittern.

Immer dann, wenn wir draußen ein Geräusch hörten oder ein Auto die Straße runter fuhr, öffnete meine Mutter die venezianischen Fensterläden ein bisschen und schaute heraus. Um 21:30 fühlte ich mich schlecht.

Sehe ich gut aus, fragte sie mich. Ich sagte ihr, das sie sehr schön aussehe. Sie hatte sich eine neue, pinke Bluse gekauft, die hinter dem Hals mit einer Schleife zusammengebunden wurde.

Ich hatte meinen Schlafanzug an und meine Schuljacke angezogen.
Das verdammte Taxi sollte besser pünktlich kommen, sagte meine Mutter und spielte an ihren Ohrringen herum, dann straffte sie noch ihren Gürtel. Sollen wir draußen warten?

Das Taxi kam um 22:05 und ich musste dringend auf die Toilette.

Davis, the Adelphi rief der Fahrer aus dem geöffneten Fenster. Wir stiegen ein, während der Motor noch lief.

Gehen Sie fein aus? fragte der Fahrer, als meine Mutter ihren Lippenstift aus ihrer Handtasche nahm. Sie verneinte es und blieb den Rest der Fahrt über still. Ich hatte im dunkelbraunen Ledersitz ein Loch gefunden und hielt mich daran die Fahrt über fest, damit ich nicht herumrutschte, so wie die Tasche meiner Mutter.
Als wir ausstiegen war es sehr kalt. Die Straßenlaternen leuchteten und ich sah einen Mann in einem Pappkarton neben einem Mülleimer sitzen. Als mich meine Mutter vorbeizog, lächelte er und ich sah, das er keine Zähne mehr im Mund hatte.
Bleib hier stehen, sagte meine Mutter als sie über die Straße lief. Ich versteckte mich hinter einer Mauer und beobachtete sie dabei, wie sie ihr Haar in einer Telefonzelle kontrollierte.

Immer wieder fuhren Autos vor das Hotel und ließen Leute mit Koffern heraus. Ein schwarzes Taxi kam um die Ecke und stoppte auf der anderen Straßenseite. Eine Frau kam heraus. Sie war fett, hatte flauschiges blondes Haar und einen roten Mantel mit Fellkragen an. Dann kam Joe in seinem großen, braunen Mantel aus Schafsleder heraus. Sie lächelten und lachten beide. Als sie in die Kutsche einstieg, fasste er ihr an den Po.

Nachdem die Kutsche weggefahren war, kam meine Mutter langsam über die Straße zurück zu mir. Sie wischte den Lippenstift mit dem Handrücken weg. Los komm, lass uns gehen.

Als wir mit dem nächsten Taxi nach Hause fuhren hatte ich kein Loch um mich festzuhalten. In jeder Kurve hielt ich den Atem an und presste meine Beine gegen den Sitz.

Eine Woche später brachte ich Tracy Kehoe von der Schule mit nach Hause. Sie hatte mir versprochen mir ein paar der Tänze beizubringen, die sie in der Schuldisco gelernt hatte.

Wir rannten den ganzen Weg nach Hause und als wir um die letzte Ecke kamen, sah ich sein Auto vor dem Haus von Frau Borrowscale stehen.